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Deutsch Hilfe für Geflüchtete in der Ukraine Projektnachrichten

Projektänderung

Liebe Freunde,

der Krieg in der Ukraine hat auch auf unser Projekt unmittelbaren Einfluss. Bereits am 12. Februar wurden für Belarusen die Grenzen zur Ukraine geschlossen. Einen Tag später evakuierte unser Projektpartner Free Belarus Center (FBC) die meisten belarusischen Geflüchteten, die gerade vom Projekt betreut waren, von Kyjiw nach Lemberg und später nach Polen. 

FBC arbeitet heute von Warschau aus: Es organisiert Evakuierungen aus der Ukraine nach Polen, leistet humanitäre Hilfe und betreibt wichtige Informationskanäle rund um Fragen der Flucht.

Momentan ist die Ausreise aus der Ukraine sehr erschwert. Zu den Problemen mit der Sicherheit auf dem Weg und dem Zusammenbrechen der Infrastruktur kommen zum Teil lange Wartezeiten auf den Grenzübergängen. 

Nach Angaben der UNO haben seit Beginn des russischen Angriffs am 24. Februar ca. 1,45 Millionen Menschen die Ukraine verlassen. Eine Statistik zu der Zahl der geflüchteten Belarusinen und Belarusen gibt es nicht. Nach Angaben des ukrainischen Grenzschutzes haben zwischen September 2020 und Dezember 2021 ca. 40.000 Belarusinen und Belarusen ein Zuhause in der Ukraine gefunden. Unter diesen gibt es viele politische Flüchtlinge, die nun zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit fliehen müssen

In der Zeit, wo die Ukrainer in jedes EU-Land einreisen können und Hilfe bekommen, sind die Möglichkeiten für Geflüchtete ohne ukrainischen Pass oder eine Aufenthaltserlaubnis (und das trifft für die meisten politischen Geflüchteten aus Belarus zu)sehr eingeschränkt. Darum ist es gerade jetzt besonders wichtig, diese Menschen nicht zu vergessen. Aktuell werden viele Flüchtlinge bei Privatleuten einquartiert, die dies freiwillig tun. Dies löst das Problem mit der Unterkunft nur für kurze Zeit. 

Dazu kommt, dass die Belarusinen und Belarusen aufgrund der Verwicklung von Belarus in den Krieg mit zunehmender Feindseligkeit konfrontiert werden. Dies führt bereits zu den Problemen bei der Wohnungssuche.

Liebe Freunde, es gibt großen Bedarf für unsere Hilfe an dieser Stelle. Wir werden weiter damit helfen, womit wir bereits seit einem Jahr Hilfe leisten: Bei der Finanzierung von Notunterkünften, nun aber in Polen. 

Bei dieser Arbeit planen wir eine Zusammenarbeit mit den Organisationen der belarusischen Diaspora Vorort (Detailinformationen folgen). 

Free Belaus Center bleibt weiterhin Partner unseres Projektes.

Bitte unterstützen Sie weiterhin diese Initiative! 

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1 Jahr Hilfe für belarusische Flüchtlinge in der Ukraine

Vor einem Jahr, Anfang Dezember 2020, haben wir unsere Arbeit mit der ersten Publikation in Facebook und auf dem Telegramkanal begonnen. Bereits im Herbst, nach der ersten massiven Migrationswelle aus Belarus haben wir, Aktivisten von Razam e.V., erkannt, dass der Strom politischer Flüchtlinge über die Ukraine verläuft. Wir haben auch erkannt, dass die Menschen nach einer (in den meisten Fällen) unvorbereiteten Flucht völlig auf sich gestellt und überfordert sind. Viele haben keine finanziellen Mittel, um das Lebensnotwendige abzudecken. So entstand die Idee, den Geflüchteten in der Ukraine eine erste Übergangsunterkunft zur Verfügung zu stellen und Hilfe beim Bezahlen dringender medizinischer Versorgung zu leisten.

Die Bilanz dieses Jahres: mehr als 300 Menschen erhielten eine vorübergehende Unterkunft, darunter 29 Familien mit minderjährigen Kindern. 

An dieser Stelle danken wir allen, die diese Initiative finanziell unterstützen und den  unermüdlichen Organisatoren der Solidaritätsaktionen in NRW, die für regelmäßige Spenden sorgen. Auch unseren Kolleginnen der NGO FreeBelausCenter in  Kyjiw  gilt an dieser Stelle unser Dank! Ohne deren Arbeit vor Ort wäre diese Hilfe nicht möglich gewesen.

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, über die Schicksale der Betroffenen zu berichten

In der Reihe derer, denen Hilfe geleistet wurde, waren Rentner, die wegen Kommentaren  in sozialen Netzwerken  verfolgt wurden, Studenten, Journalisten, Künstler, Menschenrechtler, Ehrenamtliche von Hilfsorganisationen, Mitglieder von Streitkomitees, Administratoren von Telegrammkanälen, Blogger und viele Aktivisten, deren einziges „Verbrechen“ war, sich gegen Lüge und illegale Staatsgewalt zu empören. All diesen Menschen drohte in Belarus strafrechtliche Verfolgung mit  hohen Geldstrafen, Freiheitsentzug oder Freiheitsbeschränkung. 

Aktuell (17.12.2021) bietet unser Projekt in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw Erstunterkunft für 13 Belaruss*innen, die vor staatlicher Gewalt fliehen mussten. 

Der Strom der Flucht aus unserer Heimat reißt nicht ab. 

Für uns alle, die in Sicherheit sind, heißt es: Nicht müde werden, weiter helfen, weiter unterstützen!

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Wer benötigt aktuell unsere Hilfe

Die Migrationskrise, die sich an der Grenze zu den westlichen Nachbarn von Belarus abspielt, zieht die Aufmerksamkeit der gesamten Weltgemeinschaft auf sich. Sie sollte uns aber nicht den anhaltenden Strom belarusischer Flüchtlinge vergessen lassen, die sich abseits des Medieninteresses vor drohenden Gewalt oder Gefängnisstrafen in Sicherheit bringen. 

Unser Projekt bietet aktuell Erstunterkunft in Kiew für 14 Belaruss*innen, die wegen erfundener Kriminalfälle oder wegen Verfolgungsgefahr aus ihrer Heimat fliehen mussten. Hinter den zum Teil ähnlichen Geschichten und denselben Artikeln des SGB der Republik Belarus verbergen sich einzelne menschliche Tragödien, die an unsere Empathie und Solidarität appellieren. 

Andrei: … In Belarus lebte ich in ständiger Erwartung, dass man kommen und mich holen würde, und früher oder später würden sie auch kommen, denn sie haben mich zu einem Verdächtigen nach Art. 342 gemacht. 


Anatol: ... Ich wurde von der Kriminalpolizei in Minsk zum Verhör vorgeladen. Mir werden die Anstiftung zum Extremismus und die Beleidigung eines Mitarbeiters des Innenministeriums in einem Telegramm-Kanal vorgeworfen, und das nur vorerst … Sie sagten, dass ein Strafverfahren eingeleitet wurde.


Cimafej: … Der Polizist sagte: „Du kannst mit einer Ordnungswidrigkeit davon kommen oder wirst nach dem Strafgesetzbuch verurteilt. Hier ist genug Stoff. Machen wir das so: Finde mir ein paar Typen, die weiß-rot-weiß(e Symbolik) drucken. Oder einen Chat-Administrator. Oder schreib mal selbst eine Falschmeldung in so einem Chat. Ich gebe dir eine Woche “ Danach habe ich das Land verlassen. 


Vital: Vor Kurzem wurde ein Freund von mir festgenommen. Und in einer Woche bin ich zum Verhör vorgeladen.


Vadzim:… .Viele meiner Freunde wurden in der Akrestsina (Haftanstalt) geschlagen und gefoltert. Eine Zeit lang blieb mir der Ärger einer Verhaftung erspart, aber jetzt bin ich dran. Nachdem sie ein Geständnis aus mir herausgeprügelt hatten, war ich einige Monate in einer Untersuchungshaftanstalt. Nach dem Gerichtsurteil, ein paar Jahre Haft in einer offenen Justizvollzugsanstalt, musste ich das Land verlassen. 


Tatsiana: … Mein Freund, mit dem wir gemeinsam im Widerstand aktiv waren, wurde im Oktober festgenommen… Bei mir zu Hause war auch schon jemand, ich wurde noch nicht verhaftet, aber das Risiko ist zu groß.


Yury: Ich wurde nach Artikel 369 zu zwei Jahren in einer geschlossenen Justizvollzugsanstalt und 2000 Rubel Strafe verurteilt.


Leanid: … Das Strafverfahren wurde nach Teil 1 Artikel 342 eingeleitet. Für die Gerichtsverhandlung  fanden sich mehrere Polizisten als Zeugen, die vage und widersprüchliche Aussagen machten. Aber der Staatsanwalt und der Richter hielten sie für ausreichend. Und die Gegenargumente von mir und meinem Anwalt hielten sie für unhaltbar, trotz Beweise wie Videoaufnahmen. Im Endeffekt wurde ich zu einigen Jahren Haftstarfe in einer offenen Justizvollzugsanstalt verurteilt. Ich habe Berufung eingelegt, die erwartungsgemäß abgelehnt wurde. Danach beschloss ich, aus Belarus zu fliehen…. 

Anmerkung:

Art. 342 des SGB der Rupublik Belarus: „Organisation und Vorbereitung von Aktionen, die die öffentliche Ordnung grob verletzen, oder aktive Teilnahme daran.“ Sie wird mit Freiheitsbeschränkung von 2-5 Jahren oder Freiheitsstrafe bis zu 4 Jahren bestraft. 

Art. 369 des SGB der Rupublik Belarus: „Beleidigung einer Amtsperson.“ Bestrafung mit Geldstrafe, oder Freiheitsentzug, oder Freiheitsbeschränkung bis zu 3 Jahren mit Geldstrafe, oder Freiheitsstrafe für die gleiche Dauer mit Geldstrafe. 

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Wohngemeinschaft für belarusische Geflüchtete in Kiew

Seit März diesen Jahres wird von unserem Projekt eine großzügige Wohnung in Kiew als  vorübergehende Unterkunft belarusischer Flüchtlinge angemietet und als Wohngemeinschaft genutzt. Innerhalb von vier Monaten fanden hier mehr als 50 Menschen eine Notunterkunft. Es sind Belarusinnen und Belarusen, die eilends ihre Heimat wegen politischer Repressionen verlassen mussten. Die Wohnung bietet Platz für bis zu 14 Personen, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 3 Wochen.

Unter aktuellen Umständen ist eine Wohngemeinschaft die optimale Unterbringungsform für Geflüchtete, nicht nur im Hinblick auf die Kosten, sondern auch in Bezug auf die Lebensbedingungen.

Wir hoffen sehr auf Ihre weitere Unterstützung unseres (leider) immer noch aktuellen Projektes. Zurzeit brauchen wir Ihre Hilfe insbesondere bei der Bezahlung der nächsten Miete für die Wohngemeinschaft. Diese beträgt 820 Euro.

Das Projekt „Hilfe für belarusische Geflüchtete in der Ukraine“ unterstützt die Menschen, die auf Grund politischer Repressionen und Verfolgung Belarus verlassen mussten und in die Ukraine geflüchtet sind. Der größte Anteil der gesammelten Spenden dient der Finanzierung von Unterkünften. Unsere Partnerorganisation vor Ort ist die NGO Free Belarus Center (Kiew). Seit Beginn des Projektes (Anfang Dezember 2020) haben mehr als 170 belarusische Geflüchtete Unterstützung aus Projektmitteln erhalten. 

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Projektnachrichten

Trotz der immer schwieriger werdenden Bedingungen für eine Ausreise aus Belarus gehen auch weiterhin Anträge auf Unterstützung beim Partner unseres Projektes in der Ukraine Free Belarus Center ein. Zum jetzigen Zeitpunkt (04.06.) wird in Kiew 14 belarussischen Flüchtlingen eine vorübergehende Unterkunft zur Verfügung gestellt, von denen 11 in einer Wohnung leben, die von unserem Projekt angemietet wird. Seit Mitte Mai steht uns eine Wohnung zur Verfügung, die bis zu 12 Personen beherbergen kann. Diese Wohnform für Flüchtlinge ist nicht nur die günstigste, sondern auch die komfortabelste. Davon zeugen auch die positiven Rückmeldungen unserer Schützlinge. Die Wohnung ist möbliert und gut ausgestattet mit allem, was man zum Leben braucht. Die Miete für die Wohnung beträgt monatlich 835 Euro.

Wir suchen Menschen, die bereit sind, das Projekt bei der Zahlung der Miete für die Wohnung regelmäßig zu unterstützen.

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Eure Hilfe wird gebraucht!

Elena (Аktivistin aus Mogiljov) beteiligte sich an friedlichen Demonstrationen und war aktives Mitglied einer regionalen Gruppe von Aktivisten. „(…) in einer Chatgruppe von Gleichgesinnten dachten wir uns verschiedene Aktionen aus, um unsere Position deutlich zu machen und, wie Maria Kolesnikova sagt, diesem Regime Schlag um Schlag zu versetzen.“ Fotos mit der belarusischen Nationalfahne, Plakate und andere Aktionen der Gruppe erweckten die Aufmerksamkeit der Sicherheitsorgane. Gegen Elena und andere Mitglieder der Gruppe wurden Strafverfahren eingeleitet. In Belarus zu bleiben, wurde zu gefährlich…. Elena befindet sich nun seit einigen Tagen in der Ukraine. Aus den Mitteln des Projekts wird für sie die Unterbringung in einer Wohngemeinschaft von Belarusen finanziert.

(…) unter diesen Umständen ist jede Art von Unterstützung wichtig: Materielle Unterstützung oder Informationen. Bereitstellung von Wohnraum löst aber die wichtigsten Probleme. Das Free Belarus Center (der Partner unseres Projekts in der Ukraine) ist eine der Organisationen, die tatkräftige Unterstützung leisten. (…) Es ist großartig, mit einer Gruppe von Menschen zusammen zu leben (Wohngemeinschaft), von denen jeder seinen eigenen Charakter und seine eigene (Flucht-)Geschichte hat. In so einem Kollektiv ist es leichter, drängende Probleme zu lösen. Irgendwer hat immer eine Idee oder findet jemanden, den man um Hilfe bitten kann und so fühlt man sich sicherer auf einem sehr ungewissen Abschnitt des Lebens.“

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Projektnachrichten

Liebe Freunde,

aus den Mitteln des Projektes wird im Moment 20 belarussischen politischen Flüchtlingen eine Unterkunft in der Ukraine finanziert. Um den Bedarf an Wohraum abdecken zu können, mieten wir ein 6-Bett-Zimmer und mehrere Einzelplätze in zwei Hostels. Außerdem wird für Projektzwecke eine Wohnung für 8 Personen (Wohngemeinschaft) in Kiew angemietet. Die Kosten für einen Platz für 3 Wochen (so lange wird im Durchschnitt Unterstützung gewährt) liegen ungefähr bei 100€.

Wem wird geholfen

Iwan und Anna sind Aktivisten der Protestbewegung in einem der regionalen Zentren von Belarus. „(…) Eine Form von Protesten, an denen wir uns beteiligten, waren Konzerte. Die letzte dieser Veranstaltungen endete mit der Festnahme sämtlicher Teilnehmer (67 Menschen). Wir wurden zwei Wochen im Zhodino-Gefängnis festgehalten, dann erhielten wir die Information, dass eine Strafanzeige gegen uns vorbereitet wird. Wir mussten dringend ausreisen, obwohl unsere Finanzen kaum für zwei Wochen in Kiew gereicht hätten. Wir möchten uns ganz herzlich bedanken für die Hilfe bei der Bezahlung des Unterkunftes in einem Hostel. Dadurch können wir uns der Suche nach Arbeit widmen und uns ein Leben am neuen Ort aufbauen. Außerdem konnten wir sogar schon ein Konzert für die belarussische Diaspora in Kiew organisieren und werden weiter alles tun, um den Kampf fortzusetzen.“


Gleb (Name geändert): „(…) Ich habe insgesamt 19 Tage in Untersuchungshaft in Minsk, Zhodino und Mogilev abgesessen. Die Berufung an den Untersuchungsausschuss der Republik Belarus wegen illegaler Inhaftierung und Misshandlungen führte zu keinen Ergebnissen. Dann erhielt ich Vorladungen vom Staatlichen Kontrollkomitee und dem Ministerium für Steuern und Abgaben. Aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung musste ich aus Belarus in die Ukraine ausreisen.“


Marat (Name geändert) wurde nach seiner Verhaftung Mitte Januar mehr als 15 Tage lang in Untersuchungshaft festgehalten: „(…) in einer Zelle mit einem zerbrochenen Fenster bei -20 Grad, dann mit 12 Personen in einer Viererzelle ohne ausreichende Belüftung(…)“. Bald nachdem er seine Strafe verbüßt hatte, begann jedoch die Polizei und das Ermittlungskomitee, starken Druck auf ihn auszuüben: Es kam zu Verhören, Telefonanrufen, Hausbesuchen und einer Hausdurchsuchung. „Ich habe erfahren, dass derjenige, mit dem zusammen ich verhaftet wurde, zu dem Zeitpunkt bereits im Gefängnis saß. Seitdem übernachtete ich nicht mehr zuhause. Nachts stürmten (laut meinen Nachbarn) Menschen in Masken zu meinem Haus und forderten, die Tür zu öffnen, sonst würden sie sie aufbrechen. Da habe ich entschieden, Belarus zu verlassen. Ich bin nicht nochmal nach Hause gefahren, weil ich Angst vor einem Hinterhalt und einer Festnahme hatte. Als ich in der Ukraine ankam, wurde ich in einer Wohnung zusammen mit anderen Belarussen untergebracht, die sich in einer ähnlich schwierigen Lage befanden“.