Hilfe für belarusische Geflüchtete in der Ukraine

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Hilfe für belarusische Geflüchtete

Die politische Krise in Belarus geht mit einer humanitären Katastrophe einher, die man in diesem Ausmaß in Belarus seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebte. Zum ersten Mal im 21. Jahrhundert spricht man über belarusische Flüchtlinge in Europa. Die Zahl der Menschen, die Belarus seit August dieses Jahres aufgrund von politischen Repressionen verlassen mussten, geht in die Zehntausende. Der Verein „Razam e.V.“ erkannte die dringende Notwendigkeit, diesen Menschen Hilfe zu leisten und gründete die Arbeitsgruppe „Hilfe für belarusische Flüchtlinge“. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt derzeit auf der Unterstützung belarusischer Flüchtlinge in der Ukraine.


Situation in der Ukraine

Für die belarusischen Flüchtlinge ist die Ukraine zu einer wichtigen Zwischenstation geworden. Die Gründe dafür sind die Visafreiheit, die fehlende Sprachbarriere und das Vorhandensein einer belarusischen Diaspora dort. Viele der Geflohenen mussten ihre Heimat in größter Eile verlassen, sind mittellos und haben keine Möglichkeit, in der Ukraine eine Arbeit aufzunehmen. Die meisten beantragen ein humanitäres Visum für Polen oder Litauen und verlassen schließlich die Ukraine.

Da es in der Ukraine keine organisierten Flüchtlingsunterkünfte (wie in Polen oder Litauen) gibt, übernahm die belarusische Diaspora die Versorgung der Flüchtlinge. Die gesamte Arbeit wird von Freiwilligen getragen. Das größte Problem ist die Unterbringung der Neuankömmlinge. Auch die Wohnsituation vieler, bereits untergebrachter Menschen, erfordert dringend eine Verbesserung.


Welche Hilfe wird geleistet?

Das Ziel des Hilfsprojektes ist die Unterbringung von Flüchtlingen in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft. Wichtig für uns sind dabei nicht nur die Kosten und die Wohnbedingungen (siehe dazu FAQs). Die Unterbringung (einschließlich Wohnungssuche und -anmietung) ist an die belarusische Diaspora vor Ort gebunden. Aktuell ist die belarusische Diaspora in Kiew in Sachen Flüchtlingshilfe am aktivsten. Aus diesem Grund beschränkt sich das Projekt zunächst auf den Großraum Kiew.

Als Unterkünfte für Flüchtlinge kommen für uns vor allem Hostel-Zimmer infrage.

Wegen COVID-19 können zurzeit maximal 4 Personen in einem Zimmer untergebracht werden.

Denkbar ist auch die Anmietung von Privatwohnungen über Webportale, die dabei die finanzielle Transparenz sicherstellen.

Direkte Privatanmietungen scheiden mangels Transparenz aus. Die eingegangenen Spenden werden dabei nicht angespart, sondern direkt für die Unterbringung weiterer Menschen verwendet.

Ergänzung 29.12.2020

Angesichts unserer ersten Erfahrungen der Projektarbeit und der tatsächlichen Situation der belarusischen Geflüchteten in der Ukraine, entschieden wir uns, unsere Hilfsleistungen auszuweiten.

Neben der Finanzierung der kurzfristigen Unterbringung leisten wir ab jetzt auch Unterstützung bei der Lebensmittelversorgung und medizinischen Behandlungen, falls die vorhandene Krankenversicherung nicht ausreicht. Nach Prüfung und Abwägung können auch andere Leistungen gewährt werden.


Wem helfen wir?

Unter den belarusischen Flüchtlingen, die unsere Hilfe benötigen, sind laut Angaben unseres ukrainischen Partners „Free Belarus Center“  verfolgte Studenten, Familien mit drei oder mehr minderjährigen Kindern sowie Arbeiter, die aufgrund ihrer Teilnahme an Streiks strafrechtlich verfolgt werden.

Wir präferieren Familien mit Kindern und Menschen mit gesundheitlichen Problemen.

Die Hilfsbedürftigkeit der Anfragenden wird von unserem Partner überprüft (siehe dazu FAQs).


Unsere Partner

Unsere Partner in Kiew sind:

Die Organisationen übernehmen die Prüfung der Hilfesuchenden, deren Betreuung sowie die Anmietung der Wohnräume (siehe dazu FAQs).

  • Als dritter Partner im Projekt hat bis 26.02.2021 die Stiftung BySol – Belarusian Solidarity Foundation die finanzielle Abwicklung der Spenden übernommen. Ab 26.02.2021 sollen die Spenden direkt auf „RAZAM“ e.V. Konto überwiesen werden.


Projektbudget

Jede Hilfeanfrage ist individuell, daher werden unterschiedliche Unterbringungsmöglichkeiten in Betracht gezogen.

Aktuell können nur Orientierungspreise für Zimmer in Herbergen (Hostel) genannt werden, welche unseren Auswahlkriterien entsprechen.

Ein Platz in einem 4-er Zimmer in einem Hostel:

Platz / Woche: 23 ЕUR – 43 ЕUR

Platz / Monat: 90 EUR – 170 EUR


Wie kann ich spenden?

Banküberweisung:

Kontoinhaber: Belarusische Gemeinschaft „RAZAM“ e.V.
IBAN: DE14430609671186206000
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: UkrRefHelp

Bitte in der Banking App scannen

Per Gesetz gilt seit dem 01.01.2021 ein Kontoauszug als Spendennachweis bei einer Spendensumme von bis zu 300 EUR. Bei Spenden über 300 Euro im Jahr bitten wir um Angabe Ihrer Anschrift sowie Ihrer E-Mail für eine offizielle Spendenquittung.



Berichte


Projektnachrichten


FAQ

Was verstehen Sie unter angemessenem Wohnraum für Geflüchtete?

Als angemessen betrachten wir Wohnraum, der den durchschnittlichen Standards in Belarus entspricht: Heizung, fließend Wasser, WC, bequeme Schlafplätze, Möglichkeit der Lüftung, Kochplatz, Waschmaschine, Internetanschluss, einwandfreie hygienische Umgebung.

Als unangemessen betrachten wir aufgrund der Covid-19-Situation eine Unterbringung von mehr als 4 Personen in einem Wohnraum, mit Ausnahme von Familien. Das ist wichtig, denn Geflüchtete haben in der Ukraine keine Möglichkeit, sich zunächst in Quarantäne zu begeben.

Ferner wird die Angemessenheit des Wohnraumes individuell definiert. Was für einen 20-jährigen Studierenden zumutbar ist, kann für eine ältere Person unzumutbar sein. Die Unterbringung von fremden Personen in einer Familie schließen wir aus.

Was schließt die Unterbringung in einem Hostel ein?

Abgesehen von Schlafplätzen, verfügt das Hostel über eine gemeinschaftlich genutzte Küche, eine Wäscherei, WLAN und Bettwäsche. Einmal wöchentlich werden die Zimmer gereinigt.

Warum muss die Unterbringung in Kiew erfolgen? Können die Geflüchteten nicht in kleineren Städten oder Dörfern untergebracht werden?

Da die belarusischen Geflüchteten die Ukraine als ein Transitland betrachten, brauchen sie Zugang zu Botschaften und Konsulaten von Polen (Kiew, Winnizja, Lviv, Luzk, Odessa, Charkiv) oder Litauen (Kiew, Winnizja, Lviv, Schytomyr, Cherson, Uschhorod). Zugleich benötigen sie humanitäre, psychologische, juristische und medizinische Hilfe. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass die Geflüchteten an einem Ort untergebracht sind, an dem es eine Freiwilligen-Organisation gibt, die ihnen diese Hilfe gewährt. Die belarussische Diaspora in Kiew ist zurzeit die aktivste Organisation dieser Art.

Des Weiteren sind die Hostel-Preise in kleineren Städten (aufgrund geringerer Konkurrenz) häufig höher als in der Hauptstadt Kiew.

Vielleicht ist es ratsam, ein ganzes Haus anzumieten und in den Zimmern jeweils mehrere Personen unterzubringen?

Wir erwägen alle Varianten, die unseren Standards entsprechen (siehe oben).

Nach Möglichkeit streben wir eine direkte Bezahlung aus dem Ausland ohne örtliche Vermittler. Der Vermieter muss mit einer mehrmonatigen Anmietung und wechselnden Bewohnern einverstanden sein.

Unter Umständen muss eine Maklergebühr bzw. Kaution zu Beginn der Anmietung entrichtet werden, was ein höheres Startkapital, sprich längeres Sammeln von Spenden erfordert.

Ich sehe bei Online-Portalen günstigere Wohnungen.

Wir erwägen alle Varianten, die unseren Bedingungen entsprechen (siehe oben). Die Suche, die Anmietung und der Einzug von Menschen dürfen die Freiwilligen nicht über Gebühr beanspruchen.

Wir arbeiten daran, auch Möglichkeiten der individuellen Hilfe von Person zu Person zu etablieren. Dies könnte so aussehen:

1. Ein*e (von uns verifiziert*e) Geflüchtete*r sucht sich selbstständig eine Wohnung und schließt einen Mietvertrag ab.

2. Wir helfen ihm/ ihr, Unterstützer*innen aus der belarusischen Diaspora zu finden. Dies geschieht über diese Seite.

3. Wir verifizieren die Unterstützer*innen.

4. Wir geben den Unterstützer*innen die Kontaktdaten des Geflüchteten weiter.

5. Die Unterstützer*innen bezahlen den Wohnraum direkt.

In diesem Modell fungiert RAZAM als Vermittler zwischen Geflüchteten und Unterstützer*innen.

Wer sind die Projektpartner in der Ukraine?

„Free Belarus Center

Der Hauptschwerpunkt des Free Belarus Centers liegt in der kostenlosen juristischen Beratung und Vertretung von Geflüchteten bei Fragen rund ums Asyl. Darüber hinaus gewährt das Zentrum psychologische Unterstützung, punktuelle humanitäre Hilfe (Sachgaben, Weihnachtsgeschenke für Kinder etc.), medizinische Versorgung sowie Bildungsmaßnahmen in Online-Formaten.

Wer überprüft, ob die Geflüchteten tatsächlich bedürftig sind? Wie läuft das Auswahlverfahren?

Die Verifizierung führen unsere Partner in der Ukraine durch, die direkt mit den Menschen arbeiten. Wir behalten uns das Recht vor, diejenigen zu überprüfen, die die Prüfung vor Ort bereits bestanden haben.

Wir helfen:

– verfolgten Studierenden;

– kinderreichen Familien mit drei oder mehr minderjährigen Kindern;

– Arbeiter*innen, die aufgrund ihrer Teilnahme an Streiks strafrechtlich verfolgt wurden;

– Personen, gegen die zwei administrative Verfahren bzw. ein administratives Verfahren mit belegten Folgerisiken eingeleitet sind,

Möglich ist auch eine individuelle Härtefallregelung für Personen, die auf andere Weise verfolgt werden und die nachweislich Risiken ausgesetzt sind, die das Verbleiben in Belarus unmöglich machen. Bei ansonsten gleichen Voraussetzungen präferieren wir Familien mit Kindern und Bewerber*innen mit gesundheitlichen Problemen.

Kann ich direkt die Wohnkosten eines Flüchtlings übernehmen?

Das geht, allerdings können wir Ihnen aufgrund der Verfolgung, der die Geflüchteten ausgesetzt sind, keine Namen und Adressen zur Verfügung stellen. Kontaktieren Sie uns bitte unter refugee@razam.de und wir erklären Ihnen, was Sie tun können.

Ich finde Ihre Arbeit gut und möchte mitmachen. Wie kann ich mich Ihnen anschließen?

Kontaktieren Sie uns unter refugee@razam.de. Wir freuen uns darauf!